
Veröffentlicht Aktualisiert
Von Laurien & Alex ZurhakeGründer:innen und Headcoaches von Team Laurien & AlexDon't Teach Moves: CLA-Workbook für BJJ-Coaches
Unser englisches CLA-Workbook hilft BJJ-Coaches, eigene Aufgaben zu gestalten, zu beobachten und anzupassen – mit Promts für deine Game-Designs.
Wir haben das Buch geschrieben, das wir selbst gern gehabt hätten, als wir begonnen haben, unser Training konsequent nach dem Constraints-Led Approach zu gestalten.
Don’t Teach Moves, Design Problems ist jetzt veröffentlicht. Das englischsprachige Workbook richtet sich an BJJ- und Grappling-Coaches, die nicht einfach weitere Techniken oder fertige Spiele sammeln möchten. Es hilft dabei, eigene Lernaufgaben zu entwerfen, im Training genau zu beobachten und systematisch weiterzuentwickeln.
Entstanden ist das Buch aus derselben Frage, die auch unser BJJ-Training in München prägt: Wie gestalten wir eine Aufgabe so, dass Menschen relevante Informationen wahrnehmen, eigene Entscheidungen treffen und Lösungen entwickeln können, die unter echtem Widerstand Bestand haben?
Warum noch ein Buch über den Constraints-Led Approach?
Wer sich heute mit dem Constraints-Led Approach, kurz CLA, beschäftigt, findet unzählige Trainingsspiele in Reels, Podcasts, Kursen und Posts. Das kann inspirierend sein. Es löst aber nicht automatisch das eigentliche Coachingproblem.
Ein Spiel, das in einem anderen Team gut funktioniert, kann im eigenen Training zu leicht, zu kompliziert, zu linear oder sogar unsicher sein. Vielleicht üben die Athlet:innen darin gar nicht das Problem, das du lösen wolltest. Vielleicht gewinnen sie das Spiel, ohne dass ihre Lösung später ins freie Rollen übertragbar ist. Oder eine einzige Strategie dominiert jede Runde und verhindert weitere Exploration.
Dann fehlt nicht das nächste Spiel aus einer Online-Sammlung. Es fehlt ein verlässlicher Prozess, mit dem du selbst beurteilen kannst:
- Welches Grapplingproblem sollen die Athlet:innen wahrnehmen und lösen?
- Welche Informationen aus einer echten Situation muss die Aufgabe erhalten?
- Welche Startposition, Regeln und Ziele laden das gewünschte Verhalten ein?
- Ist die Herausforderung für diese Menschen in diesem Raum passend skaliert?
- Was verändere ich, wenn die Aufgabe nicht das bewirkt, was ich erwartet habe?
Genau an dieser Stelle setzt das Workbook an. Es liefert keine fertigeb Spiele. Es gibt dir Platz und Werkzeuge, um eigene Aufgaben zu entwerfen, zu testen und zu verbessern.
Was steckt im Workbook?
- 374 SeitenTheorie, Anwendung, Worksheets und Debriefs
- EnglischDas gesamte Buch ist englischsprachig
- A5 PaperbackSchwarz-Weiß, Softcover mit Klebebindung
- ISBN 978-1-291-57436-4Veröffentlicht am 11. August 2026
- 25,00 € bei LuluListenpreis für das Paperback
- Game-DesignsPlatz für deine eigenen Aufgaben und Beobachtungen
- Debriefs12 Klassen-, 12 Wochen- und 3 Monatsreflexionen
Der erste Teil führt durch die Grundlagen von Ecological Dynamics und des Constraints-Led Approach. Dabei geht es unter anderem um Perception-Action Coupling, Affordances, Selbstorganisation, funktionale Variabilität, Invariants und Representative Learning Design.
Diese Begriffe stehen nicht im Buch, um das Coaching akademischer klingen zu lassen. Sie helfen, konkrete Entscheidungen auf der Matte zu treffen. Wenn Wahrnehmen und Handeln miteinander gekoppelt bleiben sollen, braucht eine Aufgabe beispielsweise einen reagierenden Partner und relevante Informationen aus dem Grappling. Wenn unterschiedliche Körper, Erfahrungen und Strategien zu unterschiedlichen Lösungen führen, darf gutes Coaching nicht nur eine äußerlich identische Bewegung als richtig anerkennen.
Der praktische Teil führt vom Verständnis ins Design: Du definierst das zu lösende Problem, formulierst Ziele und Gewinnbedingungen, wählst Startpositionen, begrenzt oder erweitert den Lösungsraum und hältst fest, was im Training tatsächlich passiert ist.
Von „Welche Technik zeige ich?“ zu „Welches Problem gestalte ich?“
Der Titel ist bewusst direkt. „Don’t teach moves“ bedeutet nicht, dass Coaches nichts mehr erklären oder niemals etwas demonstrieren dürfen. Es bedeutet auch nicht: „Lasst alle einfach rollen und hofft, dass schon irgendetwas entsteht.“
Die Aufgabe des Coaches wird nicht kleiner, sondern verändert sich. Statt jede Bewegung vorzuschreiben, gestaltet der Coach die Lernumgebung. Dazu gehören zum Beispiel:
- ein klares Ziel für beide Seiten,
- eine Startposition, die relevante Verbindungen erhält,
- Regeln, die gefährliche oder dominante Lösungen begrenzen,
- Raum und Zeit, die Druck oder Exploration ermöglichen,
- passende Paarungen und Intensitäten,
- Fragen, die Aufmerksamkeit lenken, ohne die Lösung vorwegzunehmen.
Ein Beispiel: „Startet aus der Open Guard und rollt“ enthält zwar Widerstand, lässt aber fast das gesamte BJJ offen. Viele Menschen greifen dann auf das zurück, was sie ohnehin schon gut können. Eine enger gestaltete Aufgabe kann für die obere Person das Kontrollieren der Füße und das Passieren der Beine zum Ziel machen. Die untere Person versucht gleichzeitig, ihre Füße zu befreien, Verbindungen herzustellen und die Balance des Gegenübers zu brechen. Beide Seiten erhalten klare Ziele – und müssen trotzdem aufeinander reagieren.
Das ist der Unterschied zwischen einer vorgegebenen Lösung und einem gestalteten Problem.
Das Buch ist kein Plädoyer für „einfach spielen“
Im Grappling wird CLA manchmal auf kurze Games reduziert. Das greift zu kurz. Ein Spiel ist nur dann eine sinnvolle Lernaufgabe, wenn es ein echtes Grapplingproblem erhält und die Athlet:innen relevante Lösungen erkunden lässt.
Deshalb widmet sich ein eigener Teil des Buches den häufigsten Missverständnissen:
- CLA ist nicht einfach „Games statt Techniken“.
- CLA ist nicht zufälliges Sparring.
- CLA bedeutet nicht, Anfänger:innen ohne Orientierung kämpfen zu lassen.
- CLA ist kein stiller oder passiver Coachingstil.
- CLA ist nicht automatisch weich oder wenig intensiv.
- Ein beliebtes Spiel aus Social Media passt nicht automatisch zu deinem Team.
Gerade Anfänger:innen brauchen nicht weniger Struktur, sondern die richtige Struktur. Ein Coach kann den Lösungsraum verkleinern, näher an einer möglichen Lösung starten, einer Seite einen sinnvollen Vorteil geben oder die Zahl der Entscheidungen reduzieren. Fortgeschrittene können dasselbe Problem mit mehr Freiheit, Unsicherheit und Zeitdruck bearbeiten.
Nicht das Lernsystem muss zwischen Anfänger:innen und Fortgeschrittenen grundsätzlich wechseln. Die Aufgabe muss passend skaliert werden.
Beobachten, debriefen, debuggen
Eine Aufgabe kann auf Papier logisch wirken und im Training trotzdem scheitern. Vielleicht sind alle verwirrt. Vielleicht gelingt niemandem etwas. Vielleicht gewinnen alle zu leicht. Vielleicht wird aus der Situation ein linearer Kraftkampf. Vielleicht belohnt das Spiel ein Verhalten, das im freien Grappling nicht trägt.
Das ist kein Beweis dafür, dass task-basiertes Training nicht funktioniert. Es ist Information für den nächsten Designschritt.
Das Workbook enthält deshalb nicht nur Seiten für einzelne Aufgaben, sondern auch Debriefs nach Klassen, Wochen und Monaten. So wird sichtbar, welche Verhaltensweisen entstehen, welche Probleme wiederkehren und worauf die nächste Trainingsphase reagieren sollte.
Für akute Probleme nutzen wir im Buch eine einfache Debugginglogik:
- Beobachte zuerst, welches Verhalten die aktuelle Aufgabe tatsächlich einlädt.
- Prüfe, ob die Gruppe nur mehr Zeit und Erfahrung braucht.
- Falls eine Anpassung nötig ist, verändere genau eine Bedingung.
- Lass eine weitere kurze Runde laufen und beobachte erneut.
- Behalte die Änderung, nimm sie zurück oder teste eine andere Variable.
Diese „One-Change Rule“ verhindert, dass Coaches eine Aufgabe vollständig umbauen und anschließend nicht mehr erkennen können, welche Veränderung welchen Effekt hatte.
Warum psychologische Sicherheit zum Task Design gehört
Unsere Arbeit mit Trauma-Informed Coaching hat früh verändert, wie wir über Lernen, Intensität und Autonomie denken. Später haben wir erkannt, wie gut sich diese Perspektive mit CLA verbindet.
Psychologische Sicherheit bedeutet dabei nicht, dass Training leicht oder konfliktfrei sein muss. Repräsentatives Grappling ist körperlich, mental und emotional fordernd. Menschen brauchen aber ausreichend Sicherheit, um Fehler zuzulassen, Fragen zu stellen, Grenzen zu kommunizieren und neue Lösungen auszuprobieren, ohne Beschämung oder unnötige Gefahr zu erwarten.
Eine gut gestaltete Aufgabe macht deshalb nicht nur Ziel und Regeln klar. Sie berücksichtigt auch Erfahrung, Vertrauen, Verletzungen, Größenunterschiede, Intensität und die Möglichkeit, jederzeit zu stoppen. Der Coach beobachtet nicht allein, ob jemand gewinnt, sondern auch, ob beide Personen engagiert, anpassungsfähig und sicher am vorgesehenen Problem arbeiten können.
Diese Verbindung von Herausforderung, Autonomie und Sicherheit prägt unser tägliches Training. Wer sie praktisch erleben möchte, findet auf unserer Seite alle Informationen zum Brazilian Jiu-Jitsu und NoGi in München.
Für wen haben wir das Buch geschrieben?
Don’t Teach Moves, Design Problems richtet sich vor allem an:
- BJJ-, NoGi- und Grappling-Coaches, die eigene task-basierte Einheiten gestalten möchten,
- Academy-Inhaber:innen und Headcoaches, die ein gemeinsames Coachingverständnis entwickeln wollen,
- Trainer:innen, die bereits Games verwenden, aber bei Skalierung und Anpassung unsicher sind,
- erfahrene Athlet:innen, die ihr eigenes Training bewusster strukturieren möchten,
- Coaches, die Ecological Dynamics verstehen wollen, ohne bei Theorie stehenzubleiben.
Das Workbook ist dagegen keine Technik-Enzyklopädie und keine Sammlung sofort einsetzbarer Standardspiele. Wer nur nach vorgefertigten Lösungen sucht, wird eine andere Art von Buch erwarten. Unser Ziel ist, dass Coaches selbst bessere Designer:innen werden – und zunehmend erkennen, welche Aufgaben ihre jeweiligen Athlet:innen gerade brauchen.
Von unserem Trainingsraum in München in ein 374-seitiges Workbook
Wir haben Team Laurien & Alex 2018 in München gegründet. Damals waren wir frisch graduierte Blue Belts und uns sehr bewusst, wie viel wir selbst noch lernen mussten. Statt unsere begrenzte Erfahrung zum fertigen System zu erklären, suchten wir aktiv nach Coaches, Forschung und Lernansätzen, die uns beim Verstehen helfen konnten.
Über Trauma-Informed Coaching begegneten wir 2019 der Ecological Psychology und 2020 der Ecological Dynamics. Seitdem haben wir Aufgaben entworfen, ausprobiert, verworfen, angepasst und mit Kindern, Anfänger:innen, Wettkämpfer:innen und Coaches weiterentwickelt.
Das Buch begann als Begleitmaterial für eine Keynote. Aus wenigen Seiten wurde ein vollständiges Workbook, weil die wichtigste Frage immer neue Fragen erzeugte: Wie machen wir akademische Konzepte praktisch? Wie erkennen Coaches, ob eine Aufgabe funktioniert? Wie dokumentieren sie, was in ihrem Trainingsraum passiert? Und wie schaffen sie ein Umfeld, in dem intensive Herausforderung und menschliche Sicherheit zusammengehören?
Unsere Antwort ist kein abgeschlossenes System. Ecological Dynamics entwickelt sich weiter, und auch ein gutes Game Design bleibt eine Hypothese, die auf der Matte geprüft werden muss. Das Workbook soll dabei helfen, diesen Prozess bewusst, kritisch und kreativ zu gestalten.
Wenn du zuerst mehr über unsere Perspektive lesen möchtest, empfehlen wir dir den Artikel Warum das Verlernen von Problemlösen im Sport zum Scheitern führt. Wenn du BJJ selbst ausprobieren möchtest, zeigt dir unser Guide, wie dein erstes BJJ-Training bei TLA abläuft.